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2. März 2010

Komplementärmedizin in der Onkologie

Komplementärmedizin als Teil einer Krebsbehandlung findet bei 80 Prozent brustkrebserkrankter Frauen große Resonanz und Anwendung. Leider oft in Eigenregie, was die Thematik zu einem immer wichtigeren Inhaltspunkt auf medizinischen Kongressen macht. Prinzipiell zeigen auch Onkologen eine immer positivere Haltung gegenüber entsprechenden Maßnahmen. Führende Wissenschaftler auf diesem Gebiet weisen jedoch darauf hin, dass Chancen, Hoffnung und Gefahren sich dabei allerdings nicht vermischen dürften.

Auf dem 29. Deutschen Krebskongress in Berlin haben sich 73 Prozent der anwesenden Ärzte für den Einsatz der Komplementärmedizin als integralem Bestandteil einer Gesamt-behandlung und als Teil der wissenschaftlichen Medizin ausgesprochen. 61 Prozent davon bieten in ihrer Praxis Naturheilkunde, Phytotherapie und Ernährungsmedizin an und zeige somit eine Trendwende weg von der reinen Schulmedizin.

Als Reaktion darauf hat auch die wurde nun auch eine entsprechende Leitlinie Deutsche Krebsgesellschaft entwickelt. Professor Matthias Beckmann von der Universitäts-frauenklinik Erlangen behandelt Brustkrebspatienten und bestätigt in diesem Zusammenhang den Wunsch vieler Patientinnen, selbst und auf natürliche Weise zu ihrer Heilung beizutragen. Derzeit könne noch keine konkrete Aussage getroffen werden, welche tatsächlichen Anwendungen tatsächlich erfolgversprechend sind. Von Mistelpräparaten oder Vitaminkuren rät er jedoch ab, da hier die wissenschaftlichen Nachweise fehlten. Im Bewusstsein vieler Bürger hat sich jedoch mit der Zeit die Mistel als Pflanze eingeprägt, die die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert – aus wissenschaftlicher Sicht allerdings eine bedenkliche Praxis.

Durchaus erwiesen sei dagegen nämlich, dass phytotherapeutische Präparate stoffwechselaktiv sind und daher auf die Wirkung von Tumormedikamenten Einfluss nehmen. Die immunsystemstimulierenden Inhaltsstoffe machen eine Kombination mit niedermolekularen Pharmaka oder Trastuzumab unberechenbar. So könnten beispielsweise im Falle einer Brustimplantation Abstoßungsreaktionen hervorgerufen werden. In ähnlicher Weise gäbe es häufig Prognoseverschlechterung bei der Einnahme von Vitaminpräparaten während einer Chemotherapie.

Psychologisch gesehen könne die Anwendung von komplementärmedizinischen Behandlungen schon einiges bewirken. Für einen vorsichtigen Einsatz plädierte Dr. Jutta Hübner vom Universitären Tumorcentrum in Frankfurt/Main. Sie hält das Gefühl der Hilflosigkeit, das Frauen in ihrer Notlage ereilt, und die daraus resultierende Selbstmedikation für nachvollziehbar “Da ist der Wunsch nach Heilung, nach weniger Nebenwirkungen, nach Stärkung der körpereigenen Kräfte und ganz einfach der Wunsch, selbst etwas zu tun”, sagte sie auf dem Kongress und möchte daher auch in die alternative Richtung unterstützend mitwirken.

Problematisch würde es lediglich, so Hübner, wenn sich die Hoffnung einseitig auf diese Arzneimittel verlagere und als Alternative statt als Ergänzung angesehen würde. Auf notwendige Operationen und Strahlentherapien dürfte nicht verzichtet werden. Oft würden Frauen Opfer falscher Heilungsversprechen, was dann einen lebensbedrohlichen Zustand annehmen kann.

Neben den privaten Krankenversicherern, die die Komplementärmedizin als Bestandteil vieler Tarife explizit aufführen, können die Kosten für alternative Therapien mittlerweile auch bei gesetzlichen Krankenversicherungen geltend gemacht werden. Paradox sei allerdings, dass einerseits zwar eine weitverbreitete Akzeptanz dieser Behandlungsmethoden trotz der hohen anfallenden Kosten von jährlich 600 Millionen Euro für alternative Medikamente sowie 1,4 Milliarden Euro herrscht. Andererseits müsse noch immer mit den Kassen um einen einzigen Tag gefeilscht werden, den Brustkrebspatienten länger stationär versorgt werden sollen, sagte Matthias Beckmann auf dem Fachkongress.

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